Die Zahl der Krisenstaaten in der Euro-Zone wächst.
Milliarden fließen in ihre Rettung. Aber der Einsatz lohnt sich, ist der
Hamburger Top-Ökonom Straubhaar überzeugt. Denn mit dem Euro steige
Europas Gewicht in der Welt.
Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, hat vor einer Abschaffung des
Euro
gewarnt. Wenn die Euro-Zone zerbreche, würden die Zentrifugalkräfte in
Europa größer. „Eine Renationalisierung würde Europa um Jahre
zurückwerfen“, sagte Straubhaar am Mittwoch in Hamburg.
Er
stellte eine Studie zur Zukunft des Euro im globalen Währungssystem vor,
die die Hamburger Sparkasse beim HWWI in Auftrag gegeben hatte. Der
Euro sei besonders für einen Außenhandelsstandort wie Hamburg von
immenser Bedeutung, sagte der Wissenschaftler. Durch den Euro könnten
deutsche Unternehmen Milliarden im täglichen internationalen
Zahlungsverkehr sparen. Trotz der aktuellen Turbulenzen bleibt eine
konsequente Eurostabilisierung für die deutsche Wirtschaft ohne echte
Alternative.“
Drei große Währungen
In der Studie sagt das
HWWI voraus, dass es in Zukunft drei große Währungsräume und globale
Währungen im Weltwährungssystem geben wird – den US Dollar, den
chinesischen Renminbi und den Euro. Die große Unbekannte ist der
Renminbi. Es ist heute unklar, wann der Renminbi zu einer voll
konvertiblen Reservewährung aufsteigt und wie stark die damit verbundene
Aufwertung sein wird.
Neben den großen Währungsräumen mit ihren
kulturell und wirtschaftlich verwobenen Peripheriestaaten werde es
einige weitere Währungen von großen Volkswirtschaften geben , heißt es
in der Studie. Dazu zählen zum Beispiel der brasilianische Real oder die
indische Rupie. Alle kleineren Volkswirtschaften würden sich dagegen zu
regionalen Währungsverbünden zusammenschließen oder ihre Währung an
eine der drei großen Währungen binden.
Mehr Vor- als Nachteile durch den Euro?
„Alles spricht
dafür, dass mit fortschreitender globaler Vernetzung die Zahl der
Währungen insgesamt sinkt. Vor diesem Hintergrund ist es für Europa
mittelfristig wichtig, den Euro als bedeutende Währung der
Weltwirtschaft zu erhalten“, so Straubhaar. „Das heterogene Europa ist
zwar – Stand heute – als nicht-optimaler Währungsraum zu betrachten.
Viele weitere Reformen sind nötig. Die Vorteilhaftigkeit einer
gemeinsamen Währung steht aber langfristig nicht zur Diskussion.“
Denn laut der Studie sichert eine starke Währung
den Einfluss Europas in der Welt. „Europa kann mit einem Euro als global
wichtiger Währung viele der strategischen Zukunftsfragen, von der
Handelspolitik bis hin zu Fragen des Klimawandels oder des Zugangs zu
Energie und Rohstoffen, wirtschaftlich, politisch und geopolitisch mit
hoher Sicherheit eine maßgeblichere Rolle spielen als ohne Euro.“