Sonntag, 21. April 2013

Verhandlungen für Mindestlohn im Friseurhandwerk beginnen

Verhandlungen für Mindestlohn im Friseurhandwerk beginnen

21. April 2013 | ver.di, die Tarifgemeinschaft des Zentralverbandes des deutschen Friseurhandwerkes und die Landesinnungsverbände nehmen morgen in Würzburg die Verhandlungen über einen branchenweiten Mindestlohn für das Friseurhandwerk auf.
„Die Verhandlungen bieten die historische Chance, einen Niedriglohnsektor wie das Friseurhandwerk auf den Weg zu fairen Löhnen zu bringen“, sagt ver.di-Verhandlungsführerin Ute Kittel. Ein Mindestlohn für Friseurinnen und Friseure von bundeseinheitlich 8,50 Euro solle bis spätestens 2015 erreicht werden. Das sei ein ambitioniertes Ziel, aber machbar.
„Damit wird die Basis geschaffen, weitere vernünftige Lohnentwicklungen im Friseurhandwerk voranzutreiben. Auch wenn das bedeutet, dass es in manchen Landstrichen zu 150 Prozent Tariferhöhung führen wird“, sagt Kittel. In der Konsequenz folgten den fairen Löhnen dann auch faire Preise. Es könne nicht angehen, dass  Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch Niedriglöhne die Preise für Friseurdienstleistungen subventionierten. Außerdem lasse sich der Nachwuchs- und Fachkräftemangel nur durch eine faire Gehaltspolitik stoppen, so die Gewerkschafterin.

Samstag, 20. April 2013

Whistleblower in Praxen und Kliniken brauchen Schutz

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Whistleblower in Praxen und Kliniken brauchen Schutz

17. April 2013| Sie sollen wegschauen oder gar mitmachen. Dabei werden sie zu unfreiwilligen Helfern. Und wenn sie den Betrug aufdecken, riskieren sie ihren Arbeitsplatz. Die Rede ist von Whistleblowern im Gesundheitswesen. Anlässlich einer Anhörung am heutigen Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags fordert ver.di ein Whistleblower-Schutzgesetz.
Der Arzt rechnet Leistungen ab, die er nicht erbracht hat. Die Klinik behauptet, der Chefarzt selbst habe den Patienten untersucht. Ein Behandlungstermin wird verschoben, damit er in einen anderen Abrechnungszeitraum fällt. Möglichkeiten gibt es viele. Schätzungsweise sechs Prozent aller Ausgaben gehen Krankenkassen durch Falschabrechnungen verloren. Doch nachweisbar sind Korruption und Falschabrechnung nur schwer. Krankenkassen sind deshalb auf couragierte Beschäftigte im Gesundheitswesen angewiesen, wollen sie Betrug und Korruption aufdecken. Doch diese Whistleblower haben bisher keinerlei Schutz vor Nachteilen durch den Arbeitgeber.
„Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die gegen Korruption und Abrechnungsbetrug kämpfen, müssen arbeitsrechtlich auf der sicheren Seite sein.“
Sylvia Bühler, ver.di-Bundesvorstandsmitglied
ver.di fordert von der Bundesregierung entschiedener gegen Korruption im Gesundheitswesen vorzugehen als bisher. Zudem müssten Beschäftigte, die den Tipp zur Aufdeckung geben, besser geschützt werden. „Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die gegen Korruption und Abrechnungsbetrug kämpfen, müssen arbeitsrechtlich auf der sicheren Seite sein“, forderte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler.
Patientinnen und Patienten müssten sich bei der ärztlichen Behandlung darauf verlassen können, dass die Maßnahmen vor allem ihrer Gesundheit dienen und nicht allein der Befriedigung wirtschaftlicher Interessen unterschiedlicher Akteure, sagte die Gewerkschafterin weiter. Letztendlich fehle das Geld am Ende für eine hochwertige Versorgung und ausreichende Personalausstattung, wenn Korruption nicht unterbunden werde.
Weitere Informationen zum Thema im ver.di-Newsletter Gesundheitspolitik Ausgabe 3/2012:
  • Korruption verhindert gute Versorgung
  • Falschabrechnungen: Sollen Beschäftigte schweigen?

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So wichtig wie der Dollar: Ökonom prophezeit Euro eine große Zukunft

Mittwoch, 17.04.2013, 13:41
Euro-Rettung, HWWI, Schuldenkrise, Thomas Straubhaar
dpa Der Euro hat zuletzt deutlich an Wert gewonnen
Die Zahl der Krisenstaaten in der Euro-Zone wächst. Milliarden fließen in ihre Rettung. Aber der Einsatz lohnt sich, ist der Hamburger Top-Ökonom Straubhaar überzeugt. Denn mit dem Euro steige Europas Gewicht in der Welt.
Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, hat vor einer Abschaffung des Euro  gewarnt. Wenn die Euro-Zone zerbreche, würden die Zentrifugalkräfte in Europa größer. „Eine Renationalisierung würde Europa um Jahre zurückwerfen“, sagte Straubhaar am Mittwoch in Hamburg.

Er stellte eine Studie zur Zukunft des Euro im globalen Währungssystem vor, die die Hamburger Sparkasse beim HWWI in Auftrag gegeben hatte. Der Euro sei besonders für einen Außenhandelsstandort wie Hamburg von immenser Bedeutung, sagte der Wissenschaftler. Durch den Euro könnten deutsche Unternehmen Milliarden im täglichen internationalen Zahlungsverkehr sparen. Trotz der aktuellen Turbulenzen bleibt eine konsequente Eurostabilisierung für die deutsche Wirtschaft ohne echte Alternative.“

Drei große Währungen

In der Studie sagt das HWWI voraus, dass es in Zukunft drei große Währungsräume und globale Währungen im Weltwährungssystem geben wird – den US Dollar, den chinesischen Renminbi und den Euro. Die große Unbekannte ist der Renminbi. Es ist heute unklar, wann der Renminbi zu einer voll konvertiblen Reservewährung aufsteigt und wie stark die damit verbundene Aufwertung sein wird.

Neben den großen Währungsräumen mit ihren kulturell und wirtschaftlich verwobenen Peripheriestaaten werde es einige weitere Währungen von großen Volkswirtschaften geben , heißt es in der Studie. Dazu zählen zum Beispiel der brasilianische Real oder die indische Rupie. Alle kleineren Volkswirtschaften würden sich dagegen zu regionalen Währungsverbünden zusammenschließen oder ihre Währung an eine der drei großen Währungen binden.

Mehr Vor- als Nachteile durch den Euro?

„Alles spricht dafür, dass mit fortschreitender globaler Vernetzung die Zahl der Währungen insgesamt sinkt. Vor diesem Hintergrund ist es für Europa mittelfristig wichtig, den Euro als bedeutende Währung der Weltwirtschaft zu erhalten“, so Straubhaar. „Das heterogene Europa ist zwar – Stand heute – als nicht-optimaler Währungsraum zu betrachten. Viele weitere Reformen sind nötig. Die Vorteilhaftigkeit einer gemeinsamen Währung steht aber langfristig nicht zur Diskussion.“
Denn laut der Studie sichert eine starke Währung den Einfluss Europas in der Welt. „Europa kann mit einem Euro als global wichtiger Währung viele der strategischen Zukunftsfragen, von der Handelspolitik bis hin zu Fragen des Klimawandels oder des Zugangs zu Energie und Rohstoffen, wirtschaftlich, politisch und geopolitisch mit hoher Sicherheit eine maßgeblichere Rolle spielen als ohne Euro.“
csf/dpa